Abthaus, Kloster Wettingen: Restaurierung einer Wandmalerei

Die raumumspannende Malerei von 1745/60 im ehemaligen Abthaus des Kloster Wettingen wurde 2021 freigelegt. Dabei wurden jüngere Putz- und Malschichten entfernt und die Malereifragmente zurückhaltend retuschiert.

Das bis anhin wenig genützte Abthaus ist seit April 2022 Teil des Museums Aargau. Für die Museumsnutzung wurden diverse jüngere Eingriffe rückgebaut. Im Zuge der Rückbauarbeiten wurden archäologische Befunde zur Nutzungsgeschichte sowie Malereifragmente an den Wänden und eine Feldermalerei an der Bohlendecke freigelegt.
An den Wänden lag ein Konglomerat aus diversen Putzsystemen vor. Neben Kalkputzen und Reparaturmörteln wiesen die Sockelzonen einen zementhaltigen Putz auf. Die Verputze waren teilweise instabil und wiesen Hohlräume auf. Die vorhandenen Kalktünchen hafteten schlecht und blätterten zum Teil stark. Die Deckenmalerei war zu zwei Dritteln mit Ölfarbe überfasst. Das Drittel das durch die eingezogene Decke geschützt war, wies neben der starken Oberflächenverschmutzung eine Fülle an Gipsspritzern und Fehlstellen auf.
Jüngere Putze und Kalktünchen wurden an den Wänden mechanisch entfernt. Vorhandene Hohlräume wurden mit Injektionsmörteln auf Kalkbasis stabilisiert. Vorhandene Spicklöcher und Fehlstellen im Putzgefüge von 1720 respektive 1745/60 wurden mit Kalkmörtel strukturgleich gekittet. In Bereichen, in denen keine Putze von 1720 respektive von 1746/60 vorhanden waren, wurde bauseits mit einem Kalkgrundputz neu verputzt. Die fragmentarische Male-rei wurde, wo nötig, mit Paraloid gefestigt. Für die bessere Lesbarkeit der Malereifragmente wurde eine zurückhaltende Retusche mit Aquarellfarben ausgeführt.
Die freigelegte Feldermalerei wurde von Spinnweben und Staubablagerungen befreit. Die pudernde Malschicht wurde mit Klucel gefestigt, hierbei wurde das Festigungsmedium über ein Japanpapier appliziert. Abschliessend wurden die Fehlstellen retuschiert. An den mit Ölfarbe übermalten Bereichen der Feldermalerei wurden Freilegungsmuster erstellt. Das Trennen der zwei Farbschichten war weder mechanisch noch chemisch möglich. Zusätzlich war das Bindemittel der Übermalung in die Originalmalerei eingedrungen und hatte diese farblich stark verändert, sodass die Entfernung beider Schichten und die Rekonstruktion der Feldermalerei beschlossen wurden.
STANDORT
Klosteranlage Wettingen, Abthaus, 5430 Wettingen 
DATIERUNG
1720 
LEISTUNG
Konservierung und Restaurierung 
AUSFÜHRUNG
2021 
GESCHICHTE
1720 einstöckiges Gartenhaus 
1745 Aufstockung und Ausmalung der Räumlichkeiten 
1840 Parifizierung der Malerei 
1910 vollständige Übermalung mit Kalktünchen respektive Ölfarbe